Mehr als nur heiße Luft – Was unsere Stimme alles über uns verrät

Vieles lernt man erst dann zu schätzen, wenn man es verloren hat. Jetzt, in der kalten Jahreszeit verlieren viele vorrübergehend ihr wichtigstes Kommunikationsmittel – die Stimme. Im Alltag unterschätzen wir ihre Bedeutung oft, doch das Hinhören lohnt sich.

Unsere Stimme ist so individuell wie unser Fingerabdruck, die speziellen körperlichen Voraussetzungen und Bewegungsabläufe machen sie unverwechselbar. Fangen wir an zu sprechen, sammelt der Zuhörer automatisch Informationen über unser Geschlecht, Alter, unsere regionale und soziale Herkunft sowie unseren gesundheitlichen Zustand. Eindeutig zu vernehmen ist außerdem unsere Stimmung – sie kann uns wortwörtlich die Kehle zuschnüren. Bei Angst oder Ekel spannen sich die Muskeln in unserem Kehlkopf an, die Resonanzräume verengen sich: die Stimme wird höher. Auch andere Emotionen wirken sich auf die Tonhöhe und Sprechgeschwindigkeit aus. Schon 1996 zeigte eine Studie, dass wir im Gespräch am besten Ärger, Langeweile und Interesse erkennen.

Ein Phänomen gilt jedoch für alle mitschwingenden Emotionen – der „innere Nachvollzug.“ Durch das Sprechen überträgt sich unsere Befindlichkeit auf unser Gegenüber, von Anspannung bis Heiserkeit. Der Sprachwissenschaftler Hartwick Eckert erklärte dem STERN, dass der „innere Nachvollzug“ unseren Vorfahren durch die Reaktion auf Vergiftungsgeräusche das Leben gerettet haben könnte.

Nicht nur Emotionen wirken sich auf unsere Stimmlage aus – Forscher der State University of NewYork haben herausgefunden, dass Frauen in ihrer fruchtbaren Phase am attraktivsten klingen. Vermutet wird, dass die Hormone beim Eisprung Einfluss auf den Kehlkopf nehmen.

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Bildquelle: www.flickr.com/photos/howardlake/5540462170/in/photolist-9rAjnQ-ctSuLY-6idCjE-dWaKtA-ptbRS-akvfwn-7PSG5u-avJurv-iYL5VW-nmeLbh-76ecSP-bCsGic-53YuWN-cUpzX-e2X8sW-nm84RY-e2z5a7-dhyxzW-aicst9-9z6f3q-gn7jSB-dZ2tK2-pVxxqH-nzRh9t-e2Vbtw-esYCzk-ASdbt-4FZoxB-eMFZuR-cPZiQ5-pes1Be-fsGQem-evJuvv-3P5PrR-eATRue-cCJ2jU-5Ah4Jj-7VLwyy-aS3hBz-fwG5Kr-9yKhXU-crpEms-5ywozU-kPH4ri-5Bkj9L-e7tj3J-mQ1crV-5NVN7k-55ET8f-62tZ2a

Web: Wolz, L. „Stimme und Persönlichkeit: Das verrät der Kehlkopf – Wissen | STERN.DE“. stern.de, 19. Februar 2010. http://www.stern.de/wissen/mensch/stimme-und-persoenlichkeit-das-verraet-der-kehlkopf-1544538.html. 24.11.2014

Web: Lehmann, I.,„Scarlett Johansson : Was die Stimme den anderen über uns verrät – DIE WELT“. Die Welt, 7. April 2014. http://www.welt.de/icon/article127542040/Was-die-Stimme-den-anderen-ueber-uns-verraet.html. 24.11.2014

Literatur: Günther, S. &Kotthoff, H.(1991): Von fremden Stimmen, Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag, S.11

Studie: Pipitone, R.N., Gallup, G.G.Jr., (2007), Women’s voice attractiveness varies across the menstrual cycle, in: Evolution and Human Behavior 29 (2008)

Web: „scinexx | Gehirn speichert Stimmen unterschiedlich: Charakteristische Stimmen hinterlassen schon beim ersten Hören eine Gedächtnisspur“. Friedrich-Schiller-Universität Jena, 15.08.2014 – AKR. http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17905-2014-08-15.html . 25.11.2014

Studie/Abstract: Zäske, R., Volberg, G., Kovacs, G., Schweinberger, S.R. (13. August 2014): Electrophysiological Correlates of Voice Learning and Recognition, The Journal of Neuroscience

Studie:  Banse, R., & Scherer, K. R. (1996) Acoustic profiles in vocal emotion expression, Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 70, No 3, 614-636

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